Deutschland gilt als rohstoffarmes Land. Etwa 70 Prozent des Energieaufkommens müssen importiert werden. Ereignisse, wie etwa der Krieg Russlands gegen die Ukraine, verdeutlichen die sensible Situation. Energieengpässe und hohe Preise führten daher zu einem Umdenken, alternative und erneuerbare Energien rücken weiter in den Fokus. Es geht darum, unabhängig zu werden – aber auch darum, weniger Energie zu verbrauchen und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schärfen. In jedem Fall verbrauchen wir mehr Energie, als wir es uns leisten können, wobei ein Großteil des Einsparpotentials aus der Sanierung des Gebäudebestands resultiert. Die energetische Sanierung richtet Deutschland in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz aus und schont zugleich Ressourcen. Der Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen e.V. zeigt auf dieser Seite auf, welche Möglichkeiten eine ‚Smart Renovation‘ birgt und welche Vorteile sie bringt.
Eine energetische Sanierung ist einerseits eine lohnende Investition im Hinblick auf die steigende CO² Bepreisung, aber auch durch die daraus resultierende Wertsteigerung der Immobilie. Wichtig ist es jedoch von Anfang an die Kosten im Blick haben zu haben. Wie viel eine energetische Sanierung kostet, lässt sich pauschal nicht beantworten, da der Sanierungsaufwand, die konkret geplanten Maßnahmen und die Wahl, etwa der Materialien, jeweils individuell sind.
Ein wesentlicher Punkt in der Sanierung ist in jedem Fall die Heizungsanlage und damit die gesamte Wärmeprozesskette.
Jedes Kelvin mehr an Vorlauftemperatur führt zu 3,5% mehr Stromverbrauch! Dies stellt die enorme Relevanz eines guten Anlagenkonzeptes von der Wärmeerzeugung, Wärmeverteilung und auch Wärmespeicherung heraus, um nachhaltig Ressourcen zu schonen. Denn der Temperaturunterschied von teils 30°C bei den Vorlauftemperaturen macht deutlich, wie hoch das tatsächliche Einsparpotential ist!

Zuallererst muss festgestellt werden, wo die energetischen Schwachstellen der Immobilie liegen. Undichte Fenster? Eine veraltete Heizanlage? Schlechte Wärmedämmung? Um die Energiefresser aufzuspüren, sollte von Anfang an eine*n Energieberater*in mit eingezogen werden. Diese*r ermittelt anhand eines Energiechecks:
- wo es Optimierungsmöglichkeiten gibt,
- was sie kosten
- und was sie bringen.
Gemeinsam wird dann der Fahrplan für die energetische Sanierung festgelegt. Muss in eine neue Heizung investiert werden? Können Sie erneuerbare Energien genutzt werden? Was muss am dringendsten getan werden? Wie viel Kapital ist für die Sanierung vorhanden?
Je nach Gebäudeart und -zustand lohnt sich unter Umstanden auch die sogenannte Smart Renovation. Hierbei werden die obere Geschossdecke sowie die Kellerdecke gedämmt, die Heizungsanlage z.B. durch den Einsatz einer Wärmepumpe und die Nachrüstung einer Flächenheizung erneuert und die Anlagentechnik optimiert.
Der Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen e.V. hat 2025 in einer Studie mit dem ITG Dresden um Professor Oschatz sowie in Zusammenarbeit mit Professor Seifert verschiedene Systemkombinationen aus Anlagentechnik und baulichem Wärmeschutz simuliert und analysiert mit dem Ziel die energetischen Kennwerte für den Heizfall zu vergleichen.
Als Ausgangsituation wurde ein repräsentatives Einfamilienhaus genommen, welches bereits als Modell für viele Studien verwendet wurde und daher mit statistischen Daten versehen und vergleichbar ist. Mit Blick auf die Nutzung ist ein 4-Personenhaushalt hinterlegt. Das Gebäude wird in 3 verschiedenen Gebäudedämmstandards untersucht: Altbau 1960, WSVO 95 und Neubau mit Mindestwärmeschutz nach GEG 2024.
Für die Varianten im ersten Teil der Studie kommen unterschiedliche Anlagentechniken zur Anwendung. Hinsichtlich des Wärmeerzeugers wird in Gas-Brennwertkessel und Wärmepumpe unterschieden. Die Wärmepumpe wird hierbei mit einem V = 140 l Trennpufferspeicher als Parallelpufferspeicher berücksichtigt. Hierdurch sollen die Masseströme zwischen Verbraucher- und Erzeugerkreis hydraulisch voneinander entkoppelt werden. Der Brennwertkessel wird ohne Pufferspeicher modelliert. Hier kommt ein klassisches Überströmventil zur Anwendung.

Im ersten Teil der Studie wurden also die energetischen Kennwerte für die unterschiedlichen Varianten durch 2 verschiedene Wärmeerzeuger, 2 unterschiedliche Wärmeübergabesysteme und die 3 verschiedenen Wärmestandards berechnet.

Hinsichtlich des Anlagenbetriebs wird eine definierte Heizkurve in den Berechnungen hinterlegt. Die Heizkurve beschreibt die Vorlauf- und Rücklauftemperatur in Abhängigkeit der Außentemperatur. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Zusammenhänge. Die Auslegung erfolgt immer auf eine Raumtemperatur von J = 20 °C.

Analysiert und gegenübergestellt werden die folgenden Heizsysteme:
- Fußboden-Flächenheizung (FH) Nasssystem
- Fußboden-Flächenheizung (FH) Trockensystem
- Decken-Flächenheizung (DH)
- freie Heizflächen/Heizkörper (HK)
Im ersten Berechnungslauf zeigte sich, dass es bei Flächenheizsystemen mit einer Auslegung von 35/28/20 °C in älteren Gebäuden (Baujahr 1960) zu Behaglichkeitsdefiziten kommen kann – daher wurden für diese Varianten im nächsten Berechnungsdurchgang höhere Systemtemperaturen (siehe blaue Markierung) angenommen, diese haben jedoch in den weiteren Berechnungen keinen nennenswerten Einfluss auf die Energieeffizienz.
Im zweiten Teil der Studie wurde die energetische Sanierung durch die Dämmung der kompletten Außenwand und Nachrüstung einer neuen Flächenheizung einer Smart Renovation (Dämmung der Keller- und oberste Geschossdecke sowie neue Fenster nach GEG 2024) mit Nachrüstung einer neuen Flächenheizung gegenübergestellt.

Zum Schluss wurden die Berechnungsergebnisse mit der DIN 18599 verglichen.
Die Berechnung und Auswertung dieser Studie zeigen auf, dass es zum Einen zwischen den verschiedenen Flächenheizsystemen kaum energetische Unterschiede gibt und dass sich Fußbodenheizungen als Nass- und Trockensystem sowie Deckenheizsysteme bei der gewählten durchgängigen Betriebsweise und bei Auslegung auf dieselbe Heizkurve nahezu identisch verhalten.
Die Flächenheizungen wiesen zudem generell niedrigere Endenergieverbräuche auf, insbesondere beim Einsatz in er Kombination mit Wärmepumpen. Somit ist der Einfluss der Systemtemperatur entscheidend: je niedriger, desto geringer die Verluste und desto höher die Effizienz und die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe.
Für den Neubau zeigt sich, dass eine Flächenheizungheizung mit Systemtemperaturen von 35/28 Grad in Kombination mit einer Wärmepumpe eine Endenergie von 4212 kWh verbraucht.
Ein Heizkörper mit Systemtemperaturen von 50/40 Grad verbraucht 4797 kWh. Damit ist die Energieeffizienz einer Flächenheizung um 12% besser.
Bei der Wärmeschutzverordnung von 95 ist der Unterschied noch gravierender. Selbst mit höheren Systemtemperaturen von 40/30 Grad verbraucht die Flächenheizung mit Wärmepumpe eine Endenergie von 6387 kWh/a, während Heizköper mit Wärmepumpe 8699 kWh/a verbrauchen. Das bedeutet eine Energieeinsparung von 25 % mit einer Flächenheizung.

Da beim Gebäudebestand von 1960 der bauliche Dämmstandard sowie die Anlagentechnik am schlechtesten sind, wird dieser Fall besonders betrachtet.
Erfolgt eine Dämmung von oberster Geschossdecke und Kellerdecke sowie ein Fenstertausch samt nachträglichem Einbau einer Flächenheizung wird nicht derselbe Effekt erreicht wie mit der zusätzlichen Dämmung der Außenwand. Das gilt gleichermaßen beim Einbau einer Luft-Wasser Wärmepumpe. Energetisch sollte man bei diesen Ausgangsvoraussetzungen also Dämmung und Anlagentechnik kombinieren.
Bei einem Baustandard von 1960 und einer kompletten Dämmung werden 5933 kwh/a Strom für die Wärmepumpe gebraucht. Bei einer Nachrüstung mit einer Flächenheizung liegt der Energiebedarf bei 9203 kwh/a. Also ein deutlicher Mehrverbrauch an Energie. Hinsichtlich der Investitionskosten für ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) allerdings fallen ca. 30.000 € Mehrkosten im Vergleich zu einer Nachrüstung mit einer Deckenheizung an.
Da Deckensysteme als Trockenbauvariante leicht, zudem schnell und sogar im bewohnten Zustand montierbar sind, sind sie ideal für die Nachrüstung und werden hier zur Berechnung herangezogen.
Unser Modellgebäude hat eine Fassadenfläche von 180qm. Die Kosten für die Dämmung mit EPS betragen ca. 175 € Netto/qm. Zusätzliche Kosten wie Gerüst, Anstrich, die Verdübelung sowie Eckenschutz und Fensterlaibungen, die Anpassung ans Dach, die Perimeterdämmung und Montage müssen noch mit eingerechnet werden
Das macht eine Gesamtinvestition von mindestens 50.000 € Brutto.
Rüstet man im Modellgebäude mit einer Wohnfläche von 160qm Deckenheizung nach, so ergeben sich deutlich geringere Kosten. Bei einer Deckenbelegung von 60% (= 100qm x 150€ inkl. Montage) müssen ca. 15.000 € plus die Anpassung der Hydraulik, plus Dämmung der Keller- und obersten Geschoßdecke kalkuliert werden.
Das macht eine Gesamtinvestition von 20.000 € Brutto
Damit spart man 30.000 € und hat dennoch ein zukunftssicheres, energieeffizientes und CO2 reduziertes Anlagensystem im Vergleich zu einem Haus mit Wärmestandard 1960 mit Brennwertkessel und Heizkörper mit einem Energieverbrauch von 56.163 kWh/a.
Die hohe Effizienz durch niedrige Vorlauftemperaturen in Kombination mit einer Wärmepumpe und Dämmung der Keller- sowie obersten Geschossdecke machen eine Smart Renovation wirtschaftlich und energieeffizient. Die integrierte Kühlfunktion ist ein zusätzliches Argument für ein Deckenheiz- und Kühlsystem. Nicht umsonst heißt es in Expertenkreisen „Kühlen ist das neue Heizen“.
Reicht die Raumhöhe aus, ist die Decke die Lösung. Anders als auf Fußböden und an Wänden wird an der Decke mit Sicherheit nichts abgestellt. Sie kann in beliebiger Form und Größe auch an schrägen Decken eingebaut werden. Deckenheizungen/-kühlungen haben nicht nur eine größere freie Heizfläche als die Kollegen an Wand und Fußboden: Sie sind in der Regel nur mit Tapete verkleidet – diese circa zwei Millimeter dicke Schicht verursacht keinen Wärmewiderstand. Zudem sind die auf dem Markt vorhandenen Trockenbausysteme leicht und zeichnen sich durch kurze Montagezeiten aus.



